„Augensalbe“ – gegen die politische Vermessenheit seelische Wunden heilen zu können

Sehenden Auges , mit dem Ziel einen „ ungesunden Riss „  heilen zu wollen, ist der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck im Jahr 2009, ohne dies den Wählern vor der Wahl anzukündigen, eine Koalition mit der Partei DIE LINKE eingegangen , Nachfolgepartei der SED/PDS , deren Mitglieder zu großen Teilen ein ungebrochen fragwürdiges, höchst problematisches Demokratieverständnis besitzen. 

Dieses Demokratieverständnis tritt dort zu Tage, wo ehemalige Auftraggeber und  Zuträger der sozialistischen Diktatur mit der Rechtfertigung, jeder hätte eine zweite Chance verdient, politische Ämter bekleiden und Regierungsverantwortung  innehaben, obwohl eine Aufarbeitung mit persönlicher Einsicht niemals stattgefunden hat. Vielmehr wird versucht , zu vertuschen , zu verharmlosen und zu verklären. 

Diese, als  Versöhnungskurs deklarierte und mit dem unseligen  Vergleich der Wiedereingliederung ehemaliger SS -Offiziere in die Gesellschaft der jungen Bundesrepublik begründete Entscheidung von Matthias Platzeck ,hat viele Menschen, die sich in der sozialistischen Diktatur der DDR für ein Leben in Freiheit , für freiheitliche Werte und Demokratie eingesetzt haben, zutiefst verstört und zurecht empört ,so auch mich. 

Ohne Rücksicht auf die Opfer der SED-Herrschaft, die Verfolgung, Haft und Zersetzung erlitten haben, ohne Aufarbeitung, ohne Einsicht bzw. Reue auf Seiten der Täter, schafft Herr Platzeck mit seiner Entscheidung Tatsachen, die neue Ungerechtigkeit zur Folge haben, nämlich dass die Systemträger von einst ohne Bruch mit ihrer Vergangenheit und ohne erkennbare persönliche Konsequenzen, heute mit demselben weltanschaulichen Hintergrund sensible politische Bereiche, z.Bsp. der Bildung, der  inneren Sicherheit, der staatlichen Gewalt maßgeblich gestalten und mitbestimmen dürfen. 

Ute Arndt-Hering (Bild mitte)

Noch ein Jahr zuvor sprach sich Herr Platzeck unmissverständlich gegen eine Zusammenarbeit mit der Partei Die LINKE aus, als er sagte: „Mit euch nicht ! Ihr habt dieses Land gegen die Wand gefahren.“ 

Menschen, ältere und jüngere ,mit einem wachen Bewusstsein dafür, dass diese rot –rote Koalition von ihrer , Platzecks, moralisch überhöhten, quasireligiösen Begründung her, das  Unrecht von damals „unter den Teppich kehrt“ und damit verharmlosendem Geschichtsrevisionismus das Wort redet, gehen gemeinsam mit den  Opfern von einst, sofern sie selbst dazu überhaupt in der Lage sind, auf die Strasse, machen ihren Protest deutlich. Sie  zünden Kerzen an, versammeln sich zu Gebeten, Mahnwachen und Andachten, protestieren gegen diese belastete Koalition und werden erneut durch die Täter, ehemalige SED- Funktionäre , DDR-Systemprofiteure, einstige Privilegierte und deren Netzwerke, sowie durch ehemalige Stasi-Zuträger verhöhnt und politisch diffamiert. 

1998 hatte ich Einsicht in meine Stasi-Akten und erfuhr, dass neben 15 anderen IM`s ,meine ehemals beste Freundin mich 4 Jahre lang innerhalb einer OPK( einer operativen Personenkontrolle) im Status eines IMB( Inoffizieller Mitarbeiter der Abwehr mit Feindkontakt) im Auftrag des MfS  bespitzelt,  mein Vertrauen missbraucht, intimste Bereiche meines Lebens ausspioniert, kontrolliert  und zum eigenen Vorteil ausgenutzt hat . 

Neben zahlreichen Einschätzungen und Berichten über mein Vorgehen im schulischen Umfeld, in  der Jungen Gemeinde , in meinem Freundeskreis  und während Freizeitaktivitäten , berichtete sie auch über gemeinsame Urlaube , für die sie durch das MfS besonders belohnt wurde, sie lotste mich 1982 für ein Jahr in eine Tätigkeit,  um mich dort  besser kontrollieren zu können  und gab mehrfach gezielte Anregungen, wie man mich hinsichtlich meiner negativen  Einstellung zum sozialistischen Staat durch „Schwierigkeiten“ , die man mir bereiten solle, gefügiger machen könne. Sie gab meinen Wohnungsschlüssel für eine konspirative Durchsuchung an das MfS heraus und fertigte  beflissen eine Skizze an mit extra hervorgehobenen Vermerk , wo, in meinem Bücherregal , sich mein Tagebuch befindet. 

Ich habe mich einem Anwerbeversuch des MfS erfolgreich widersetzt, in dem ich „fluten“ gegangen bin. „Fluten“ heißt, alle , die ich kannte und die davon unbedingt  wissen mussten, von diesem Anwerbeversuch zu unterrichten. Ich widerspreche heute allen, die behaupten, es wäre einem nichts anderes übriggeblieben, als sich als IM zu verpflichten. 

Menschen, die in derart charakterloser Weise einem System gedient haben, dass für seine totalitären Ziele die komplette Unterwerfung der diesem System Ausgelieferten beanspruchte, sind auch heute nicht geeignet, politische Macht auszuüben, geschweige denn Regierungsverantwortung  zu übernehmen. 

Es kostet auch heute Mut, Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen,  sich auf abgekarterte Spielchen nicht einzulassen, klar zu sagen, was vom Gewissen und vom Glauben her für bzw. gegen  ein Vorhaben spricht , auch wenn dies zu Widerspruch, zu Auseinandersetzung führt. Der  Mut zum Widerstehen, erwächst auf einem Wertefundament, wie andere vitale Eigenschaften auch .  

Ich bin dankbar für ein Orientierungswissen in Sachen Mut und auch für manche Bewahrung , ich versuche, mich nicht beirren zu lassen. Das ist oft nicht bequem, da  notwendige Auseinandersetzungen ausgehalten werden müssen ,in denen auch gerungen wird, mit friedlichen Mitteln und erwachsen. 

Dunkelmänner, Strippenzieher und Hinterzimmerakteure sind mir jedoch  bis heute suspekt, ihre Vorgehensweise finde ich unerträglich und vor allem feige. Ich vermisse „hochgeklappte Visiere „ angesichts des sogenannten „Brandenburger Weges“  und eine politische Kultur, die sich an der  Seite der Opfer weiß, sie schützt und behutsam nach Wegen sucht, die eine Versöhnung ermöglichen könnten

Ich stelle mich an die Seite der Opfer und werde versuchen  Herrn Platzeck weiter an die Untragbarkeit seiner politischen Entscheidung für die Opfer und Widerständigen des SED-Regimes zu erinnern., um  „Augensalbe „ für ihn und alle Verantwortlichen  beten und mich für einen fairen und angemessenen Umgang mit den Opfern in der gegenwärtigen politischen Konstellation einsetzen . 

„Versöhnung lebt von der Einsicht der Täter“.( Marianne Birthler) 

Bußfertigkeit heißt, sich zurücknehmen. Mein Appell an die Auftraggeber und Täter von damals: Nehmen Sie sich aus der Regierungsverantwortung zurück ! Tun Sie das für Brandenburg ! Das macht Ihre Einsicht glaubwürdig und lässt Ihnen alle Möglichkeiten, ein gesellschaftlich redliches  Leben zu führen. 

Gott segne Brandenburg ! 

Ute Arndt – Hering