Gefangener aus offenem Vollzug der JVA Wriezen geflüchtet

Eichelbaum: „Schöneburgs romantisches Strafliberalisierungsprogramm wird durch die Realität eingeholt“

Danny Eichelbaum

(dapd)Ein 21-jähriger Strafgefangener der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wriezen (Landkreis Märkisch-Oderland) ist geflüchtet. Bei der Rückverlegung vom offenen in den geschlossenen Vollzug sei der Mann am Montag durch ein offenes Fenster entwichen, teilte das Justizministerium am Dienstag in Potsdam mit. Eine Verfolgung blieb erfolglos. Die Polizei fahndet seither nach dem Gefangenen. Das Ministerium prüft, ob sich Justizbeschäftigte falsch verhielten.

Der 21-Jährige saß den Angaben zufolge wegen Mordes und Körperverletzung ein. Er war seit Oktober 2007 zunächst in Untersuchungshaft und ab Mai 2008 in Jugendstrafhaft, die er bis Oktober 2015 zu verbüßen hat. Aufgrund einer positiven Prognose sei ihm eine vorzeitige Entlassung im Juli 2013 in Aussicht gestellt worden.

Im Jahr 2010 begann der Gefangene eine Berufsausbildung im Garten- und Landschaftsbau, wie es weiter heißt. Aufgrund der positiven Entwicklung und zur Fortsetzung seiner Berufsausbildung habe er sich seit dem 16. Juli 2012 im offenen Vollzug befunden. Wegen Fehlstunden im Berufsschulunterricht sei am Montag eine Rückverlegung in den geschlossenen Vollzug angeordnet worden.

Entgegen einer Weisung sei dem Gefangenen gestattet worden, persönliche Gegenstände einzupacken. Unter einem Vorwand habe er in Begleitung eines Vollzugsbeamten die Küche des offenen Vollzuges betreten, wo er durch ein Fenster flüchtete.

Derzeit werden laut Ministerium die Umstände und Hintergründe der Flucht untersucht. Dabei werde auch geprüft, ob ein Fehlverhalten von Bediensteten die Flucht begünstigte und ob das gegebenenfalls dienstrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Unterdessen forderte die CDU-Landtagsfraktion Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) auf, die Ausweitung des offenen Vollzugs sofort zu stoppen. „Mehr offener Strafvollzug bedeutet mehr Gefängnisausbrüche“, sagte der Rechtsexperte der Fraktion, Danny Eichelbaum. Er verwies darauf, dass der Minister erst vergangene Woche den Entwurf eines neuen Strafvollzugsgesetz vorstellte. „Schöneburgs romantisches Strafliberalisierungsprogramm wird durch die Realität eingeholt“, kritisierte Eichelbaum. Die Politik des Ministers gefährde die Sicherheit der Bevölkerung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s