Speer sieht in Krampnitz-Kasernen kein Filetgrundstück

(dapd) Er kommt in blauen Jeans und schwarzen Stoffschuhen. Und wie früher lässt sich Rainer Speer nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Brandenburgs ehemaliger Finanzminister – einst engster Gefährte von Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) – antwortet geduldig auch auf wiederholte Fragen. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren in der Affäre um den angeblichen Unter-Wert-Verkauf von Immobilien des Landes

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Die Vorgänge reichen in die Jahre 2006 und 2007 zurück. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags versucht seit zwei Jahren Licht ins Dunkel der Affäre zu bringen. Die 25. Sitzung des Ausschusses am Dienstag gilt als eine der wichtigsten bislang. Speer ist als Zeuge geladen. Es war darüber spekuliert worden, ob er wohl für eine Überraschung sorgen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Speer bestätigt, was die Regierungsparteien SPD und Linke schon seit Monaten gebetsmühlenartig wiederholen: Dem Land sei kein finanzieller Schaden entstanden.

Der Untersuchungsausschuss beleuchtet insbesondere die Privatisierung der für die Verwertung von Militärliegenschaften zuständigen Brandenburgischen Boden Gesellschaft BBG sowie den Verkauf der Potsdamer Krampnitz-Kasernen durch die BBG. Beide Geschäfte wurden aus Sicht der Opposition zum finanziellen Nachteil des Landes abgewickelt. Nach Auffassung der Opposition wurde mit BBG-Käufer Frank Marczinek ein Mann bevorteilt, mit dem Speer eine Zeit lang im Vorstand eines Fußballvereins zusammenarbeitete.

 Mondsummen seien illusorisch

 Die Befragung des Zeugen Speer dreht sich am Dienstag zunächst vorwiegend um den Verkauf der Krampnitz-Kasernen. Die BBG verkaufte das mehr als 110 Hektar große Areal nördlich von Potsdam für gut vier Millionen Euro. Einem Gutachten zufolge ist das Areal aber 25 Millionen Euro wert. Speer betont, solche „Mondsummen“ seien illusorisch. Die Liegenschaft sei nur schwer zu entwickeln. Abgesehen von militärischen Altlasten ist das Areal laut Speer auch schlecht verkehrlich zu erschließen.

Zum Verkauf des Kasernen-Geländes habe es eine Ausschreibung gegeben, ergänzt Speer. Auf diese Weise sei ein Marktwert ermittelt worden. Den Zuschlag habe der Meistbietende erhalten. Er sei damals davon ausgegangen, dass die dänische Thylander Group hinter der Investition stehe.

Neu ist für den Untersuchungsausschuss die Auskunft des ehemaligen Ministers, dass er persönlich mit Thylander über das Vorhaben gesprochen hat. Thylander sei bei ihm im Ministerbüro gewesen und habe sein Unternehmen und seine Pläne für Krampnitz erörtert, sagt Speer. Er habe Thylander für einen potenten Investor gehalten. Das sei auch überprüft worden.

Dass das Kasernen-Areal letztlich jedoch nicht an Thylander, sondern ein Firmengeflecht um die deutschen Investoren Ingolf Böx und Rolf Haferkamp veräußert wurde, war Speer nach eigenen Angaben nicht bekannt. Er sei davon ausgegangen, dass die TG Potsdam eine Projektentwicklungsgesellschaft von Thylander sei. Von Böx und Haferkamp habe er erst aus Medienberichten erfahren.

 Das Grundstück sei nicht viel wert

 Speer betont mehrfach, das Grundstück sei aus seiner Sicht nicht viel wert. Er kenne das Gebiet schon seit seiner Kindheit. Wenn es wertvoll wäre, müssten die Investoren Schlange stehen. Das Kasernen-Areal liegt aber bis heute brach.

Speer hat sich vor zwei Jahren aus der Politik zurückgezogen. Zuvor war bekannt geworden, dass er für ein uneheliches Kind jahrelang keinen Unterhalt gezahlt hatte. Erst gab er sein damaliges Amt als Innenminister auf, wenig später legte er auch sein Landtagsmandat nieder.

Der einstige Strippenzieher der SPD bekommt Ruhestandsbezüge vom Land und war in diesem Jahr als ehrenamtlicher Entwicklungshelfer in Tansania im Einsatz. Inzwischen soll er wie zu DDR-Zeiten als Möbelrestaurator tätig sein. Nähere Auskünfte zu seinem Privatleben gibt er vor Beginn der Ausschusssitzung auf Nachfrage von Journalisten aber nicht. Lediglich eine Rückkehr in die Politik schließt der 53-Jährige aus.

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