Aufklärung der Liebknecht-Luxemburg-Affäre 1988, jetzt!

Im Januar 1988 wurden Ralf Hirsch, Freya Klier, Stephan Krawczyk, Vera Lengsfeld und Wolfgang Templin vom MfS verhaftet und wenig später in den Westen abgeschoben. Jetzt, 25 Jahre später, fordern sie in folgender Erklärung endlich Aufklärung über die damalige Affäre. Gregor Gysi und der Ex-Ministerpräsident von Brandenburg Manfred Stolpe wirkten damals an der Abschiebung mit.

Bärbel Bohley  1945-2010. Die Unterzeichner wollen ihr Vermächtnis erfüllen.
Bärbel Bohley 1945-2010. Die Unterzeichner wollen ihr Vermächtnis erfüllen.

 Im Jahr 1988 beschlossen Aktivisten der Unabhängigen Friedens-, und Umweltbewegung der DDR erstmals, mit eigenen Plakaten an der von der SED organisierten Liebknecht-Luxemburg-Demonstration am 17. Januar teilzunehmen. Sie wollten damit demonstrieren, dass Freiheit, gemäß des Luxemburgspruchs, immer die Freiheit der Andersdenkenden ist.
Zahlreiche Bürgerrechtler, darunter Stephan Krawczyk und Vera Lengsfeld wurden am Rande der Demonstration , im Zuge der größten Massenverhaftung seit dem Volksaufstand 1953, inhaftiert. Andere Bürgerrechtler, die sich für ihre Freilassung einsetzten, wie Freya Klier, Bärbel Bohley, Werner Fischer, Wolfgang und Lotte Templin sowie Ralf Hirsch, folgten am 25. Januar. Die Staatsicherheit der DDR, das wurde nach der Stasiaktenöffn ung 1992 klar, führte einen „Enthauptungsschlag“ gegen die Bürgerrechtsbewegung aus. Sie plante, die führenden Bürgerrechtler hinter Gitter zu bringen. Sie ging so weit, Hochverratsprozesse anzudrohen.
Der Stasiplan ging nicht auf. Es entwickelten sich überregionale Proteste in einem in der DDR unbekannten Ausmaß. In mehr als 30 Städten, darunter Berlin, Leipzig, Dresden, Jena, Rostock, Meiningen, fanden allabendlich Protestveranstaltungen statt. In Berlin waren die in der DDR akkreditierten Westjournalisten dabei.
Der politische Druck wurde so groß, dass Partei-, und Staatschef Honecker auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz versprach, dass alle inhaftierten Bürgerrechtler bis zum 7. Februar 1988 entlassen werden würden.
Die Entlassung erfolgte nichtsofort, weil die Staatsicherheit den Maßnahmeplan „Heuchler“, die Abschiebung der Bürgerrechtler in den Westen, ins Werk setzte.
Die Hintergründe dieser Massenabschiebung sind bis heute ungeklärt, obwohl so bekannte Persönlichkeiten wie Linke-Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi und der Ex-Ministerpräsident von Brandenburg Manfred Stolpe, an der Abschiebung mitwirkten.
Es war der Wunsch der viel zu früh verstorbenen Bärbel Bohley, Licht in das Dunkel der bis heute ungeklärten Affäre zu bringen. Die Unterzeichnenden setzen sich dafür ein, dass dieses Vermächtnis von Bärbel Bohley erfüllt wird. Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, nicht länger hinzunehmen, dass sich Politiker wie Gregor Gysi ungehindert in Schweigen hüllen
und die nötige Aufklärung behindern können.
Bis heute müssen sich die Betroffenen mit der SED-Lesart der Ereignisse auseinandersetzen, wenn z. B. in Wikipedia behauptet wird, die Inhaftierten wären auf „eigenen Wunsch“ oder auf „Anraten ihrer Anwälte“ in den Westen gegangen.
Mitder Abschiebung namhafter Bürgerrechtler wollte die Staatssicherheit einen Keil in die Bürgerrechtsbewegung treiben, was ihr aber auf die Dauer nicht gelang.
Heute muss man die Massenverhaftung und die nachfolgenden Proteste als Auftakt der Friedlichen Revolution 1989 ansehen. Was fehlt, ist die Aufklärung dessen, was zur Abschiebung der Bürgerrechtler geführt hat und wer verantwortlich dafür war.Wir fordern diese Aufklärung jetzt ein!

Ralf Hirsch, Freya Klier, Stephan Krawczyk, Vera Lengsfeld, Wolfgang Templin

Die Robert-Havemann-Gesellschaft und der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes widmen sich am 23. Januar 2013 um 19 Uhr in einer Podiumsveranstaltung den damaligen Ereignissen und ihren Folgen. Nach einem einführenden Vortrag von Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk diskutieren im Podium Vera Lengsfeld, Roland Jahn, Hans-Dieter Schütt und Wolfgang Templin, moderiert von Hans-Jürgen Börner. Veranstaltungsort ist das Bildungszentrum des BStU, Zimmerstraße 90/91, 10117 Berlin Mitte.

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