Schulunterricht zu DDR-Geschichte in Brandenburg nicht ausreichend

Schwere Versäumnisse

schulePotsdam (dpa) Beim Umgang mit der DDR-Vergangenheit hat es an Brandenburgs Schulen aus Expertensicht schwere Versäumnisse gegeben.In manchen Lehrerkollegien habe es anfangs eine regelrechte „Blockade” gegen neues, demokratisch aufgeklärtes Personal gegeben, sagte die erste Bildungsministerin des Landes, Marianne Birthler, am Freitag in der Enquetekommission des Landtags zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Auch andere Zeitzeugen wie der ehemalige Kreisschulrat Werner Weiß kritisierten eine mangelnde Reformierung des Schulwesens: Ein Großteil der DDR-Lehrerschaft sei linientreu gewesen – und nach der Wende sei manch überzeugter SED-Genosse im Amt geblieben: „Auch wenn jeder wusste: der sollte besser nicht bleiben.“ Viele Lehrer hätten „regelrecht unter der Wende gelitten“ und seien völlig unwillig gewesen, in der neuen Demokratie etwas dazuzulernen, berichte Weiß. Dementsprechend wenig hätten deren Schüler dann über die DDR-Diktatur gelernt.

Die wenig verbindlichen Lehrpläne hätten aber auch dazu eingeladen, vor der Geschichtsverarbeitung zu kneifen. „Und es haben viele Lehrkräfte gekniffen“,betonte Weiß. Kritiker monieren schon länger, dass manche Lehrer in Brandenburg bis heute ein verklärtes Bild der Diktatur vermittelten. Birthler verwies darauf, dass zu stark belasteten Lehrern konsequent gekündigt worden sei – darunter ehemalige Zuträger des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Birthler war ab1990 Bildungsministerin im ersten Kabinett von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). 1992 trat sie wegen dessen umstrittener Stasi-Kontakte zurück. In einem zweiten Teil befasste sich die Enquetekommission mit dem Thema Sport. Auch dessen Rolle sei in Brandenburg bei der Geschichtsaufarbeitung bislang zu wenig untersucht worden, hieß es in einem Gutachten der Zeithistorikerin Jutta Braun. Danach blieben die Seilschaften des hochgezüchteten DDR-Leistungssports im neu gegründeten Bundesland weiterbestehen.

Laut Gutachten wurde im märkischen Leistungssport – nach Umstrukturierungen in der Nachwendezeit – sogar zu „bewährten DDR-Mustern“ zurückgekehrt. „Das gilt insbesondere für das ‚Schule-Leistungssport-Verbundsystem‘, das eine kontinuierliche Pflege des Nachwuchses sicherstellen soll.“ Auch pädagogisch-organisatorische Elemente der ehemaligen Kinder- und Jugendsportschulen hätten nach einigen Jahren wieder Anerkennung gefunden und das Modell der Eliteschulen des Sports geprägt. „Der Sport gehört somit zu den wenigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, in denen die Bundesrepublik ‚von der DDR lernte‘ und einzelne Bausteine adaptierte“, bilanziert Forscherin Braun.

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