Denkwürdiges Gedenken bei freiLand

DDR-Nostalgie-Verein initiiert Skulptur-Aufstellung

von Robert Bachmann

mahnmal-ohne text-graustufenAnlässlich des Gedenkens an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 findet am Mittwoch auf dem Gelände des durch die Landeshauptstadt Potsdam und deren Stadtwerke finanzierten alternativen Kulturzentrums freiLand Potsdam die Aufstellung einer Bronzeplastik statt. Auf dem Areal in der Teltower Vorstadt befanden sich bis 1944 die Arado Flugzeugwerke, die dort auch mit Zwangsarbeitern Teile für die damals modernen Arado-Bomben-Flugzeuge hergestellt haben.

„Die Befreiung“, so der Name der Skulptur des Berliner Bildhauers Jürgen Raue, die bis 1989 auf dem Gelände der Gedenkstätte Auschwitz stand, dort einem neuen Gedenkkonzept weichen musste und eingelagert wurde. Nun wird diese Plastik auf Initiative der  Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde e.V. (GBM) und mit Hilfe von Spenden an dem sehr wohl denkwürdigen Ort aufgestellt.

Denkwürdig sind allerdings auch die Protagonisten des Vereins, den freiLand Potsdam sich dafür als Partner auserkoren hat. Die GBM, über die man nach mehreren Unterlassungsverfügungen nicht sagen darf,  sie sei 1991 von ehemaligen SED- und Stasi-Kadern gegründet worden, fällt auch heute noch durch ihre starke Nähe zur SED-Nachfolgerin Die LINKE auf. Inhaltlich auf „einigungsbedingte Menschenrechtsverletzungen“ fokussiert, sieht der Verfassungsschutz Berlin die GBM als „Plattform für Personen, die nach 1990 ihre Ämter oder Reputation als Angehörige der DDR-Funktionselite oder als Künstler, Wissenschaftler oder Juristen verloren haben“.  Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Hubertus Knabe spricht über die GBM gar von „DDR-Nostalgikern“, die sich dem organisierten „Kampf für die Interessen von Stasi- und SED-Kadern“ widmen würden.

Die GBM ist damit in einem Atemzug mit der Initiativgemeinschaft zum Schutz sozialer Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR” (ISOR), der “Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung” (GRH) oder dem  Insiderkomitee zur kritischen Aneignung der Geschichte des MfS  zu nennen, in dessen Zeitschrift auch schon unser heutiger Justizminister Volkmar Schöneburg publizierte.

Opfer der DDR-Diktatur, die gegen ihre Peiniger von damals öffentlich vorgehen, müssen beispielweise heute noch damit rechnen, dass diese mit Hilfe der „Sozialvereine“ Unterlassungsklagen und Schadensersatzzahlungen erwirken.

Als  Redner hat sich freiLand folgerichtig den Bundeschef der  Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und ehemaligen Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin, Dr. Heinrich Fink ausgesucht, den die Alma Mater 1992 aufgrund seiner Tätigkeit als IM „Heiner“ entließ.

Eine Befreiung dürfte diese Veranstaltung nicht sein.

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3 Kommentare zu „Denkwürdiges Gedenken bei freiLand

  1. Es ist schon makaber, wie die alten Genossen kungeln, zu verklären versuchen, weil durch Ostalgie auch eigene Verstrickung wenn nicht Verbrechen relativiert werden. Immer wieder werden 12 Jahre Nationalsozialismus, die zweifellos geschehenen NS-Verbrechen wieder und wieder benutzt, um nach 1945 geschehene Verbrechen zu relativieren, wenn nicht zu rechtfertigen. Neben Margot Honnecker aus Chile live, könnte doch auch Prof. Dr. Morsch eine Rede halten, die Singularität der NS-Verbrechen hervorheben. Auf keinen Fall darf natürlich auch der 23. August – 1939 beschlossen Stalin und Hitler an diesem Tag einen Pakt, auch Räuberbund genannt – als europäischer Gedenktag ernannt werden, weil aus Sicht der alten Genossen damit schon die Singularität der NS-Verbrechen abgeschwächt würde. Es könnte dadurch dann ja vielleicht aus dem öffentlichen Bewusstsein wegen der Entspannungspolitik verdrängte Geschehnisse plötzlich hinterfragt werden. Von Putin persönlich wurde Prof. Dr. Morsch vor kurzem ausgezeichnet. Als KGB-Offizier bildete er bis 1990 Kundschafter des Friedens, wie sie die Spitzel im Westen nannten, aus. Nicht alle Russen lieben Putin. Es erinnert an die alte deutsch-sowjetische Freundschaft. Viele Überlebende, die von russischen Juristen rehabilitiert wurden, sehen ihre Leidensgeschichte in Brandenburgischen Gedenkstätten wie Sachsenhausen und der Leistikowstraße , die Prof. Dr. Morsch unterstellt sind, nicht gewürdigt. Russische Juristen haben wohl kaum Kriegsverbrecher rehabilitiert.

  2. Interessantes Thema aber ähnlich pauschal wie früher der Kampf gegen den Klassenfeind der DDR Propaganda, solange sie nicht konkret werden und die tatsächlichen ominösen Zusammenhänge von nach der Vereinigung, enttarnen oder nicht enttarnen inoffiziellen Mitarbeitern des MfS durch die deutschen offiziellen und/oder staatliche Stellen und den teilweise mit normalen Menschenverstand nicht zu erklärenden Entscheidungen von staatlichen Behörden, Investionen, Nutzungserlaubnisse, Immobielenverkäufe, Baugenehmigungen etc, aufdecken, hat das doch alles keinen Mehrwert.
    Und ob gerade der VERFASSUNGSSCHUTZ der richtige Informant ist bezweifle ich.
    Aber zurück zum Thema:
    haben sie was gegen das Aufstellen der Plastik dann sagen sie es konkret, wenn nicht nutzen sie die Tatsache dieses ominösen Vereins doch nicht um gegen frei Land zu hetzen, denn sie wissen doch genau die DENKMALAUFSTELLUNG kostet GELD und da muss mensch in der MARKTGESELLSCHAFT, die sie ja in allen Lebensbereichen intensiv fördern, bei geldgebern moralische und sonstige abstriche machen

  3. Schon das Wort „Befreiung“, das so gern von den DDR-Nostalgikern in Verbindung mit dem 8. Mai 1945 gebraucht wird, ist nur die halbe Wahrheit (und halbe Wahrheiten sind ganze Lügen), denn nur der westliche Teil Deuschlands ist befreit worden, der andere schlidderte von einer üblen Diktatur in die nächste, die – wie die Zahl der ermordeten Andersdenkenden zeigt – keinen Deut besser war.

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