Jetzt geht er ganz

Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zieht sich ganz aus Landespolitik zurück.

Matthias Platzeck (SPD). Matthias Platzeck steht vorerst nicht zur Verfügung. Foto: R. Hirschberger (Quelle: dpa)
Matthias Platzeck (SPD). Matthias Platzeck steht vorerst nicht zur Verfügung. Foto: R. Hirschberger (Quelle: dpa)

(dpa) Er werde bei der Landtagswahl im kommenden Jahr nicht mehr antreten, kündigte der 59-Jährige am Dienstag seiner Fraktion an. „Ich habe erkannt, dass ich den Schnitt nach den langen Jahren in Regierungsverantwortung nicht nur halb, sondern ganz machen will“, sagte Platzeck der Nachrichtenagentur dpa. Er habe im Herbst nochmals einen gesundheitlichen Warnschuss erhalten und wolle sich nun auf sein Engagement in politischen und sozialen Stiftungen konzentrieren. Sein Abgeordnetenmandat will Platzeck aber noch bis zur Wahl ausüben.

Platzeck war im vergangenen August nach einem leichten Schlaganfall als Regierungschef und Landesparteichef zurückgetreten. Beide Ämter übernahm der vormalige Innenminister Dietmar Woidke. Platzeck ist aber noch in zahlreichen Organisationen aktiv. „Ich habe in der vergangenen Woche in Kassel für das Deutsch-Russische Forum die Festrede zum Petersburger Dialog gehalten und für die Friedrich-Ebert-Stiftung war ich in Warschau“, beschreibt er seinen neuen Arbeitsalltag. „Ich wollte kürzertreten und habe feststellen müssen, dass die Arbeitsbelastung noch nicht abgenommen hat.“

Er will im ZDF-Verwaltungsrat auch weiter Medienpolitik machen und in der Jerusalem-Foundation „an meiner Leidenschaft, den israelisch-palästinensischen Beziehungen arbeiten“. Für die Stiftung „Hilfe für Familien in Not“ hatte er in der vergangenen Woche die Schirmherrschaft übernommen. „Das lässt mir mit dem Abgeordnetenmandat auch nicht genügend Zeit für die Familie“, sagte Platzeck. „Ich will auch den jetzt politisch Verantwortlichen nicht wie ein Vogel auf der Stange sitzen.“ In den kommenden Wahlkämpfen in den Kommunen und für den Landtag will er seine Partei aber unterstützen.

SPD-Fraktionschef Klaus Ness bedauerte die Entscheidung, zeigte aber Verständnis: „Es ist sicherlich ein großer Verlust, aber er wird ja diesem Land und der Gesellschaft auch erhalten bleiben.“ Linken-Fraktionschef Christian Görke sagte, die Diskussion in den vergangenen Monaten um ein Budget für die Arbeit des Ex-Ministerpräsidenten sei teilweise „entwürdigend“ gewesen. „Nach so viel Jahren in Verantwortung beim Aufbau dieses Landes, hat er sich sicherlich auch eine andere Lebensperspektive verdient.“ Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sprach von einem „konsequenten Schritt“. Er begrüßte, dass der Platzeck seinen Rückzug nicht erst nach der Landtagswahl bekanntgebe.

Platzeck war nach der Wende 1990 als Abgeordneter der Fraktion Bündnis 90 in den Landtag eingezogen und hatte das Umweltministerium übernommen. Große Popularität und den Beinamen „Deichgraf“ errang er bei der Oderflut 1997. Ein Jahr später wurde er Oberbürgermeister in Potsdam. Im Jahr 2002 wurde er zum Ministerpräsidenten gewählt.

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