Streit um Hitler-Porträt im neuen Potsdamer Landtag

Hitler-Bild im Landtag? Eine Ausstellung mit Porträtbildern im neuen Parlamentsgebäude in Potsdam sorgt für Wirbel.

Ausschnitt aus einer Bildergalerie im neuen Landtag in Potsdam (Brandenburg), Bilder von Lutz Friedel sind ausgestellt, darunter porträthafte Darstellungen von Altkanzler Helmut Schmidt, aber auch von NS-Diktator Adolf Hitler (l). Foto: dpa
Ausschnitt aus einer Bildergalerie im neuen Landtag in Potsdam (Brandenburg), Bilder von Lutz Friedel sind ausgestellt, darunter porträthafte Darstellungen von Altkanzler Helmut Schmidt, aber auch von NS-Diktator Adolf Hitler (l).
Foto: dpa

(dpa) Die Porträts von Hitler und Goebbels in einer Kunstaustellung im neuen Brandenburger Landtag könnten in dieser Woche das Parlamentspräsidium beschäftigen. Die CDU-Fraktion will die umstrittenen Bilder in dem Gremium zur Sprache bringen, kündigte der Vorsitzende Dieter Dombrowski am Sonntag an. Er bestätigte damit Informationen der Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ (Montag).

Die Christdemokraten fordern, die umstrittenen Kunstwerke vor der offiziellen Eröffnung des Neubaus abzuhängen. Auch die FDP kritisierte die Ausstellung. SPD, Linke und Grüne in Brandenburg halten hingegen daran fest. „Es gibt keinen Anlass, die Ausstellung um- oder abzuhängen“, sagte ein SPD-Fraktionssprecher am Sonntag. Die Kunstkommission des Landtages habe sich für diese Präsentation entschieden.

Gezeigt werden 112 Arbeiten des Berliner Künstlers Lutz Friedel, die verfremdet unter anderem die Altkanzler Helmut Schmidt und Konrad Adenauer, aber auch Hitler und NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zeigen. Es ist die erste der jährlich wechselnden Ausstellungen im neuen Parlamentsgebäude in Potsdam, das am 21. Januar offiziell eröffnet wird.

Die Vorsitzende der Kunstkommission Geritt Große (Linke) sagte: „Man muss die Kunstwerke hinterfragen und sich damit auseinandersetzen.“ Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Marie Luise von Halem, erklärte: „Kunst ist gut, wenn sie provoziert.“ Die „Bild“-Zeitung hatte zuerst über die umstrittenen Werke berichtet. Der Künstler selbst war zunächst nicht zu erreichen.

Für die CDU-Fraktion betonte deren Parlamentarischer Geschäftsführer Ingo Senftleben: „Die CDU-Fraktion lehnt es ab, Bilder von Diktatoren und Verbrechern im Landtag auszustellen. Über Kunst lässt sich immer streiten, Bilder von Hitler oder Stalin sind aber in einem Parlament unerträglich.“

Die CDU hatte als einzige Fraktion gegen die Ausstellung gestimmt, der FDP-Vertreter fehlte. Jetzt sagte FDP-Fraktionschef Andreas Büttner: „Mörder und Tyrannen haben im Landtags nichts verloren.“

Die Ausstellung wurde vom Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) organisiert. Laut Kuratorin Brigitte Rieger-Jähner stammen die Werke aus einer Serie von Bildern Lutz Friedels mit dem Titel „Ich! Meine Selbstporträts zwischen 1635 und 2003“. Als Ausgangspunkt habe der Künstler Plakate, fotografische Vorlagen aus dem Internet, aus Zeitschriften und Kunstbüchern genutzt, die er übermalte, sagte sie auf dpa-Anfrage. Die Bilder seien Selbstbefragungen und Selbstbildnisse.

Das jetzt umstrittenste Porträt heißt „Selbst als Helge Schneider als Hitler“. „Das ist nicht Hitler“, betonte die Professorin. Die Werke seien keine Aufarbeitung von Geschichte im Sinne eines Historikers, sondern Kunst. „Wenn Kunst nicht gut ist, provoziert sie nicht.“

Im Text zur Ausstellung schreibt die Kuratorin: „Alle diese Männer und Frauen haben den Künstler in ihrer Großartigkeit oder Schrecklichkeit, mit ihrem Mut oder ihrer Feigheit positiv wie negativ beeindruckt.“ Und: „Lutz Friedel ist ein kritisch denkender Mensch.“

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