20.03.2010 „20 Jahre NABU“ in Potsdam

UMWELT: Jubiläum ohne den „jungen Wilden“

Landesverband des Naturschutzbundes beging seinen 20. Geburtstag ohne Matthias Platzeck

POTSDAM / INNENSTADT – Sie waren früh aufgestanden, die Mitglieder der Bürgerinitiative „Politik für die Mitte – gegen Rot-Rot“. Doch der Grund für ihren Protest am Rande der Jubiläumsveranstaltung des Brandenburger Naturschutzbundes (Nabu), hatte sich verflüchtigt – Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte zwar sein Kommen zugesagt, sich dann aber krank gemeldet. So hielten die Protestierer am Haus der Natur am Sonnabend nur ihre Plakate hoch. Ein Teil von ihnen nahm auch an der Feier teil.

Als Hartmut Kretschmer, Vorsitzender des Nabu von 1990 bis 1998, in seinem Vortrag später an die Zeit erinnerte, in der Platzeck Umweltminister des Landes war, gab es aus ihrer Reihe höhnischen Beifall. Kretschmer hatte die Ministertätigkeit Platzecks mit „ein junger Wilder setzt sich an die Spitze“ umschrieben und ergänzt: „Aber so ganz wild kann er heute nicht mehr sein, sonst wäre er wahrscheinlich hier.“

Auch die Umweltaktivisten selbst hätten den Ministerpräsidenten gern gesehen. Nabu-Landeschef Tom Kirschey wunderte sich darüber, dass andere Interessengruppen leichter Termine in der Staatskanzlei erhalten würden und kündigte Gesprächsbedarf an. Staatssekretär Daniel Rühmkorf aus dem Umweltministerium sagte, dass die früher üblichen regelmäßigen Gespräche mit dem Nabu wieder aufgenommen werden sollen.

Olaf Tschimpke, Präsident des Nabu Deutschland, würdigte die Arbeit des Landesverbandes: „Viele Ideen, die wie das Seenschutzprogramm mittlerweile überall Anwendung finden, haben ihren Ursprung in Brandenburg.“ Der Umweltschutz befinde sich momentan an einer Schlüsselstelle: „Jahrhundertelang haben wir Menschen überlebt, weil wir gegen die Natur gekämpft haben. Nun wird es Zeit, zu lernen, wieder mit der Natur zu leben.“ Das sei allerdings keine Aufgabe allein für Ministerien, sondern für die ganze Gesellschaft.